News Bild Bildung online – Wie sich die KEB Regensburg der Corona-Krise stellt

Bildung online – Wie sich die KEB Regensburg der Corona-Krise stellt

Home / News

Seit Montag gelten im Zuge der Corona-Pandemie neue Einschränkungen für das öffentliche und private Leben in Deutschland. Maßgeblich sind davon auch die Kultur- und Bildungsstätten betroffen. Die Katholische Erwachsenenbildung im Bistum Regensburg hat sich bereits im Frühjahr dieses Jahres den Herausforderungen gestellt, galt es doch, rund 1.400 geplante Veranstaltungen neu zu konzipieren. Sind Angebote mit physischer Präsenz nicht mehr umsetzbar, so muss eine Lösung für Online-Seminare geschaffen werden, war für Roland Preußl, Leiter der KEB Stadt Regensburg, klar.

 

Auch in der Krise mit Bildung für die Menschen da sein

1.400 Veranstaltungen mit rund 30.000 Teilnehmern lediglich im Stadtgebiet von Regensburg waren für das Geschäftsjahr 2020 geplant. Das Programmheft war bereits gedruckt und verteilt; doch dann traf die KEB Regensburg Stadt im März die Corona-Pandemie. "Uns war bewusst, wir müssen allein für das Frühjahr 700 Angebote neu planen. Von heute auf morgen mussten Entscheidungen getroffen werden", erzählt Roland Preußl. Die KEB arbeitet mit vielen Honorarkräften. Diese Menschen waren selbstverständlich von Angst gebeutelt, wie es nun weitergeht. Für die KEB stand fest: "Wir wollen in dieser Krise mit Bildung für die Menschen da sein und uns nicht zurückziehen. Wir haben über Newsletter auf unserer Homepage versucht, mit unseren Referenten in Kontakt zu treten. Wir werden alles tun, dass wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln Bildung anbieten", war der erklärte Plan von Preußl.

 

Bildung lebt vom Austausch und der Begegnung

Ein zweiter Ansatz war, für die Mitarbeiter da zu sein. Die KEB ist als eingetragener Verein organisiert. Das heißt, die Mitarbeiter sind Angestellte des e. V., nicht der Diözese, und der Verein muss sich auch um die Löhne kümmern. Ein verantwortungsvoller Umgang mit den Finanzen in den vergangenen Jahren, machte sich nun in der Krise bezahlt. Die KEB musste nicht in Kurzarbeit gehen. Aber auch das benötigt eine Zukunftsperspektive, denn Rücklagen reichen nicht ewig, neue Einnahmen mussten generiert werden. Viele der Referenten sind selbstständig und sind auf ein Einkommen angewiesen. Auch ihnen wollte die KEB eine Möglichkeit bieten, durch die Krise zu kommen. "Als der Lockdown kam, war klar, dass wir für längere Zeit nicht mehr mit Präsenzveranstaltungen arbeiten können. Das war unser täglich Brot: Bildung lebt vom Austausch, der Begegnung, des Kennenlernens anderer Menschen", betont Roland Preußl.

Mehr als 70 Teilnehmer in einer Web-Veranstaltung

Ein erster Gehversuch mit Online-Veranstaltungen startete die KEB mit der Plattform Zoom". In der Heiligen Woche (Karwoche) machte Franz Pfeffer, Pfarrer von Kelheim, eine Einführung in die drei heiligen Tage. Die Resonanz war überraschend, zahlreiche Menschen nahmen das Angebot wahr. Mit der Softwarelösung war man aber nicht zufrieden: Hinter Zoom steht ein US-amerikanisches Unternehmen, niemand wusste, wie wird mit den Daten umgegangen, wer kann auf die Daten zugreifen, etc. Johannes Geiger von der KEB in Wunsiedel und Gerhard Haller, Geschäftsführer der KEB im Bistum Regensburg, sondierten zusammen mit Roland Preußl andere Möglichkeiten. Schnell kam man auf die Software "Big Blue Button", eine Open Source Lösung, die von einer kanadischen Universität entwickelt wurde, für den Hochschulbetrieb gedacht ist und auch von einigen Bundesministerien und Hochschulen in Deutschland verwendet wird. Open Source Lösungen sind frei verfügbar. Die Software wurde sodann für die Bedürfnisse der KEB von einem Programmierer angepasst und auf einen eigenen Server installiert. Das bietet mehrere Vorteile: Absolute Datenhoheit, nur die KEB hat den Datenzugriff. Ein mittelständischer IT-Experte übernimmt derzeit den Support für die KEB und entlastet sie so. Mit dieser Lösung muss sich der Teilnehmer auch keine Software installieren, sondern kann sich mittels eines Links in die jeweilige Veranstaltung einwählen. Gleichzeitig läuft das System stabil und bietet gute Qualität in der Übertragung. Jetzt laufen damit Veranstaltungen mit rund 70, 80 Teilnehmern gleichzeitig.

 

Online-Seminare mit professionellem Anspruch

In den Online-Seminaren können sich die Teilnehmer theoretisch mit Kamera und Mikrofon zuschalten. Wenn sie wollen können sie sich also mit Fragen und Kommentaren beteiligen und auch gesehen werden. Das kann jederzeit deaktiviert werden, denn, so Preußl: "Wir wollen unseren Teilnehmern hinsichtlich des Datenschutzes größtmögliche Sicherheit bieten." Professionalität ist der KEB ein Anliegen. Deshalb feilte man an der Entwicklung methodisch, didaktischer Lösungen: Wie kann der Referent beispielsweise mit mehreren Kameras gleichzeitig arbeiten, um den Besuchern verschiedene Perspektiven und Ansichten zu ermöglichen? Folien des Referenten können dadurch gezielt vom Teilnehmer angeklickt werden. Nach den Veranstaltungen gibt es oft Handouts mit allen Informationen der Veranstaltung, in dem man nochmal alles nachlesen kann. Diese können aus dem System runtergeladen werden oder werden per Mail verschickt.

Trotz Corona an Bildungsangeboten teilhaben

Wie macht man aber auf die neuen Wege der KEB, in einer Zeit in der kaum persönliche Begegnungen mehr möglich sind, aufmerksam? "Was gut und schnell geholfen hat, war, dass wir in den sozialen Medien schon sehr präsent waren", erzählt der Leiter der KEB Regensburg. Für eine Erwachsenenbildungseinrichtung ist das eher ungewöhnlich. Aber bereits vor 2 Jahren hatte man festgelegt, dass die KEB Regensburg gerade im urbanen Raum für jüngere Menschen in den Medien präsent sein möchte. "Ende 2019 haben wir es geschafft, die Einrichtung für katholische Erwachsenenbildung in ganz Deutschland zu sein, die die meisten Follower auf facebook hat. Das hat uns heuer geholfen, Menschen auf unsere Angebote aufmerksam zu machen, da wir auf diesem Weg bereits viele Personen erreichen konnten", stellt Roland Preußl fest. Gleichzeitig bewerben die KEB-Zweigstellen im Bistum die Online-Angebote der Kollegen.

"Der Kollege in Cham hat beispielsweise etwas zu dem Böhmisch-Bayerischen Grenzland gemacht. Das haben wir hier in Regensburg automatisch mitbeworben und damit den Teilnehmerkreis für die Arbeit der KEB sensibilisiert. Eine junge Wissenschaftlerin aus München reagierte prompt und schrieb, dass sie sehr dankbar sei, dass wir diese Veranstaltung online anbieten. Sie sei in diesem Bereich gerade wissenschaftlich tätig aber im 9. Monat schwanger und hätte auch ohne Corona nie zu dieser Veranstaltung fahren können", berichtet Preußl. Auch stillende Mütter hätten sich gemeldet und erklärt, dass sie jetzt, da sie zuhause sind, auch mal ein Online-Seminar mitmachen können. Sollte das Kind schreien und Zuwendung brauchen, könne man auch für einige Minuten das Mikrofon stummschalten und sich dann wieder der Veranstaltung widmen, wenn es die Situation zulässt. Eine 90-jährige Teilnehmerin teilte mit, dass sie normalerweise aufgrund ihrer Hüfterkrankung zu keiner Veranstaltung gehen könne. "Jetzt habe ich auf einmal wieder die Möglichkeit, an Bildung zu partizipieren", schrieb sie.

Gibt es technische Probleme, hilft die KEB

Die KEB Regensburg erreicht nun auch Menschen, die nicht der typischen facebook-Zielgruppe entsprechen. 70-jährige und sogar ältere nehmen nun an Online-Veranstaltungen teil. Roland Preußl vermutet, dass das daran liegt, weil diese Gruppe vom Lockdown noch viel stärker betroffen ist, als die Jüngeren: "Die 30-jährigen haben in der Regel immer noch ihre social media Kontakte, viele haben WhatsApp, Telegram-Gruppen, Instagram oder andere Kanäle. Ein physischer Lockdown hat bei dieser Gruppierung bei weitem nicht zu einer sozialen Distanzierung geführt. Der 65-jährige hingegen war es gewohnt, beispielsweise jeden Montag seine Kolpinggruppe zu besuchen. Das war auf einmal nicht mehr möglich". Die KEB hat Plakate gedruckt, Newsletter verschickt, um die Menschen auf ihre Online-Angebote aufmerksam zu machen. Gleichzeitig hat man versucht, den Interessenten ohne Erfahrungen im Online-Bereich die Angst zu nehmen: "Ihr braucht keine Kamera, ihr braucht kein Mikrofon. Ihr braucht einen Internetfähigen PC oder auch nur ein Smartphone und ihr müsst nur auf einen Link klicken, den wir zur Verfügung stellen. Wenn es Probleme gibt, ruft uns an!", hieß die Devise. Roland Preußl und seine Mitarbeiter, die im System erkennen, wenn jemand Probleme hat, sich anzumelden, kontaktieren die betreffenden Teilnehmer und unterstützen sie. Die Veranstaltungen sind immer dialogisch aufgebaut. Wenn der Referent mit seinem Vortrag bzw. Impulsreferat fertig ist, gibt es immer die Möglichkeit für Rückfragen oder Diskussionen. Wer über kein Mikrofon verfügt, kann aber über die normale Chat-Funktion schriftlich Fragen stellen und sich einbringen.

Zahlreiche Angebote sind kostenfrei, denn die KEB möchte für die Menschen da sein, so Preußl. Selbstverständlich gibt es auch Kurse, die zu bezahlen sind und einen Teilnehmerbetrag haben. Was neu in den Fokus genommen wurde, ist der Spendensektor: Ganz im Sinne der Subsidiarität bietet die KEB den Menschen zuerst etwas an. Und bittet die Menschen dann, sie ein wenig zu unterstützen. "Wir haben jetzt ein Spendenaufkommen, das wir zuvor nicht kannten. Ältere Menschen, die uns monatlich einen Festbetrag überweisen. Bei anderen Angeboten rufen wir die Teilnehmer auf, einen Betrag zu spenden. So viel, wie jeder bereit und fähig ist, zu zahlen. Die Menschen wissen, dass wir gute Qualität liefern, das wird von ihnen honoriert." Beim mehrteiligen Workshop über Entscheidungsstrategien nach den Lehren des Hl. Ignatius von Loyola, sah Preußl, dass eine Studentin 15 Euro, eine Rentnerin 30 Euro und zwei Personen im Berufsleben jeweils 100 Euro gespendet hatten, ohne dass die KEB irgendeinen Betrag vorgegeben hätte.

 

Themen der Weltkirche online nach Regensburg holen

Ein wichtiger Kernbereich der katholischen Erwachsenenbildung sind die Kurse zur Ehevorbereitung. In der Stadt Regensburg gibt es von Frühjahr bis Herbst jeden Samstag ein bis sogar zwei Vorbereitungsseminare. Das ist derzeit nicht mehr möglich. Zum einem sind es die gängigen Auflagen in der Corona-Zeit, zum anderen die Atmosphäre und die methodisch-didaktische Umsetzung, die solche Seminare voraussetzen. Die gebotene Distanz zueinander macht Kurse dieser Art als Präsenzveranstaltung unmöglich. Andreas Dandorfer vom Referat Ehe und Familie hat schnell reagiert und bietet für diesen Bereich in Kooperation mit der KEB nun Online-Kurse an. "Wir können nun also wieder Ehevorbereitung anbieten. Wir machen auch sehr viel in unserem Kernbereich Theologie. Als Kirche bieten wir ein Sinnangebot. Die Nachfrage ist da. Wir können als Kirche gut andocken", freut sich Roland Preußl. Bischof Dr. Rudolf Voderholzer macht beispielsweise am 11. Dezember eine Hinführung für Familien über die Bedeutung der Weihnachtskrippe. Der Theologe Benedikt Bögle macht eine Hinführung auf Weihnachten. Es wird auch wieder eine Bibeleinführung geben - alles im Online-Seminar! Im gesellschaftlichen Bereich hat sich die kernkatholische Kompetenz der KEB bezahlbar gemacht: "Wir haben viel mit unseren katholischen Hilfswerken und unserer diözesanen Fachstelle für Weltkirche zusammen gearbeitet: Unser Benediktinermönch Pater Gerhard Lagleder aus Südafrika stellte online das Kinderhospiz vor, das er dort aufgebaut hat. Wir waren bei Schwester Petra Pfaller in Brasilien und konnten online einen Blick in die Gefängnisseelsorge in Corona-Zeiten werfen", zählt Preußl auf.

Teilhabe an Prävention gegen häusliche Gewalt

Und weiter: Gesellschaftlich war das Seminar "Emilie Schindler - Die unbesungenen Helden neben Schindlers Liste" ein wichtiges Angebot in Kooperation mit der Friedrich-Ebert-Stiftung. "Hier waren wir einmal in der Woche live bei der Professorin Erika Rosenberg in Argentinien. Das heißt, gesellschaftlich können wir auf einmal Themen der Weltkirche nach Regensburg holen, was als Präsenzveranstaltung viel schwieriger wäre", so Preußl. Auch einfache niederschwellige Angebote für die Familienbildung bot die KEB in der harten Lockdown-Phase an: Simon Schmucker von der Jugendstelle führte beispielsweise einen Jonglierworkshop durch. Viele Jugendliche in der Stadt leben in Wohnungen ohne Garten und konnten sich in dieser Zeit nur eingeschränkt bewegen. Man weiß aus den Statistiken um den Anstieg häuslicher Gewalt. Die KEB möchte damit Präventivarbeit leisten und den jungen Menschen über mehrere Wochen Anreize und Aufgaben geben.

"Die Corona-Krise hat uns gezeigt, dass wir unsere Medien besser nutzen und einsetzen müssen. Alle Angebote sind mit einem großen Aufwand verbunden. Mittlerweile haben wir einen eigenen Youtube-Kanal. Dort stellen wir die Impulsvorträge unserer Referenten von kostenfreien Veranstaltungen als Nachschau frei zur Verfügung", betont Roland Preußl. Wie sich das Frühjahrsprogramm gestalten lässt, kann er im Moment noch nicht absehen. Wie auch in den meisten anderen Bereichen des öffentlichen Lebens kann angesichts der Pandemie jetzt niemand dezidiert planen. Voraussichtlich wird es aber für die Angebote ab März 2021 kein gedrucktes Programmheft geben, Flyer werden aber auf die Fülle der Veranstaltungen, die man auf der Website der KEB einsehen kann, hinweisen. Für den kommenden Herbst 2021 hofft der Leiter der KEB Regensburg, dass sich das Verhältnis von Online- und Präsenzveranstaltungen wieder zu je 50 Prozent eingespielt hat.

Das gesamte Programm der KEB Regensburg: www.keb-regensburg-stadt.de

Text: Jakob Schötz