Dominik Bloh liest aus „Unter Palmen aus Stahl“ im Degginger

Bestsellerautor Dominik Bloh bei Caritas-Lesung

Der Weg aus der Obdachlosigkeit


Regensburg, 9. Oktober 2026

„Meine Geschichte in einem Satz? Ein Mensch braucht andere Menschen.“ Mit diesen Worten brachte Dominik Bloh am Mittwochabend, 7. Oktober, im Degginger in Regensburg seine Lebensgeschichte auf den Punkt. Mit 16 Jahren landete er auf der Straße. Fast elf Jahre lebte er ohne festen Wohnsitz in Hamburg, ging weiter zur Schule und machte Abitur. Heute ist der 36-Jährige Bestsellerautor, Vater und eine bundesweit bekannte Stimme im Kampf gegen Obdachlosigkeit. Auf Einladung der Caritas Regensburg las er aus seinem Buch „Unter Palmen aus Stahl“ und erzählte Szenen aus „Die Straße im Kopf“.

Bloh schilderte seine erste Nacht auf der Straße. Den Blick in die beleuchteten Wohnungen, in denen Menschen Wärme und Geborgenheit fanden. So nah und doch unerreichbar. Er erzählte von Hunger, Rastlosigkeit und dem täglichen Kampf ums Überleben. Und davon, warum er trotz allem weiter zur Schule ging: Solange er Schüler war, gehörte er irgendwo dazu. 

Obdachlosigkeit ist kein individuelles Versagen

Den Ausstieg schaffte Bloh nicht allein. Es waren vereinzelt Menschen, die ihn unterstützten, bis er wieder selbst handeln konnte. „Es geht darum, das Individuum zu befähigen, selbstwirksam zu sein“, sagte er. Hilfe müsse zunächst stabilisieren, bevor sie Forderungen stelle. Sein Grundsatz: erst fördern, dann fordern.

Bloh sprach auch über die Wohnungsnot in Deutschland. Obdachlosigkeit sei ein sichtbares Symptom der Wohnkrise. Um Menschen dauerhaft von der Straße zu holen, brauche es neben persönlicher Unterstützung vor allem bezahlbaren Wohnraum. Als möglichen Weg nannte er den Housing-First-Ansatz: Betroffene erhalten zunächst eine Wohnung und werden anschließend individuell begleitet.

Kleine Gesten können viel bewirken

Dass der Weg aus der Obdachlosigkeit zwar schwierig, aber nicht unmöglich ist, zeigte auch die anschließende Gesprächsrunde mit der Caritas. Brigitte Weißmann, Referatsleiterin für Besondere Lebenslagen, und Barbora Pokorny, Leiterin der Notunterkunft für Männer, stellten das Caritas-Programm NOAH vor. Es unterstützt in mehreren Phasen wohnungs- und obdachlose Menschen auf dem Weg in ein selbstbestimmtes Leben (siehe Info). „Doch selbst intensive sozialpädagogische Begleitung stößt an Grenzen, wenn bezahlbarer Wohnraum fehlt“, sagte Weißmann.

Was kann jeder Einzelne tun? Blohs Antwort: aufmerksam sein, Menschen nicht übersehen, ihnen mit Respekt begegnen. Schon kleine Gesten könnten viel bewirken. Entscheidend sei, obdachlose Menschen als Mitmenschen und Teil der Stadtgesellschaft wahrzunehmen. „Jeder will dazugehören.“

Die Veranstaltung fand anlässlich des Welttags der Obdachlosen am 10. Oktober statt. Blohs Geschichte ist in seinen Büchern „Unter Palmen aus Stahl“ und „Die Straße im Kopf“ nachzulesen.

Video zur Veranstaltung:

Dominik Bloh liest aus „Unter Palmen aus Stahl“ im Degginger

Text: Susanne Schophoff/Caritas Regensburg

Video: Caritas Regensburg

(kw)

Weitere Infos

Das NOAH-Mehrphasenmodell „Wege aus der Wohnungslosigkeit“

Die Caritas Regensburg arbeitet in der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe mit einem Mehrphasenmodell: Phase null bezeichnet die aufsuchende soziale Arbeit, also die Kontaktaufnahme mit den Klientinnen und Klienten durch Streetwork oder mobile soziale Arbeit oder andere Vermittlungswege. 

In Phase eins geht es um die Grundversorgung und das Sichern der Grundbedürfnisse wie Essen und Trinken, ein Bett zum Schlafen und die Möglichkeit, sich zu waschen. Das leistet im Marineheim die Notschlafstelle für Frauen und der Tagesaufenthalt. 

Phase zwei ist die stationäre Hilfe. Dafür gibt es die Wohngruppe St. Rita für Frauen. Dort werden die Klientinnen rund um die Uhr begleitet, leben in einer Wohngruppe, werden sozialpädagogisch betreut. 

Phase drei, die letzte Phase vor dem eigenständigen Wohnen, gleicht einem betreuten Wohnen und wird mit der NOAH-Nachsorge abgedeckt. 

Phase vier ist die gelungene Resozialisierung. Natürlich bleibt auch nach gelungener Resozialisierung der Anschluss ans Hilfesystem erhalten.



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