Bischof steht auf der Altarbühne mit Minis

80 Jahre Maristen-Gymnasium Furth – Jubiläum einer traditionsreichen Bildungseinrichtung

Bischof Voderholzer bekräftigt kirchlichen Bildungsauftrag


Regensburg/Furth bei Landshut, 23. Oktober 2026 

Das Maristen-Gymnasium feierte am Mittwochabend sein 80-jähriges Jubiläum und erinnerte an den Gründer des Ordens der Maristen-Brüder, den heiligen Marcellin Champagnat. 850 Schülerinnen und Schüler besuchen die Schule mit ihren naturwissenschaftlich-technologischen, wirtschaftswissenschaftlichen und sprachlichen Zweigen. Der Feier ging ein Projekttag mit Workshops zum Thema „maristisches Leben“ voraus.

Oberstudiendirektor Christoph Müller eröffnete den Festakt mit der Begrüßung von Bischof Dr. Rudolf Voderholzer, Schulstiftungsdirektor der Diözese Regensburg OStD Günter Jehl, Brother PJ McGowan, Vorsitzender des Marist Mission Council West Central Europe, der eigens aus Irland angereist war, der Landtagsabgeordneten Ruth Müller, dem Bundestagsabgeordneten Florian Oßner, den Schulleitern weiterer Maristenschulen sowie Vertretern der Kommunen, aktuellen und ehemaligen Lehrkräften, Eltern, Schülern, Freunden und Förderern des MGF. Mit ausgewählten, hervorragenden Beiträgen prägten Chöre und Ensembles des MGF maßgeblich die Jubiläumsveranstaltung.

„Es ist gut, die Feierlichkeiten mit einem Gottesdienst zu beginnen“, sagte Bischof Dr. Rudolf Voderholzer nach der Willkommensmusik der Meinrad Buam, einer in den 1950er-Jahren von Maristenfrater Meinrad gegründeten Blaskapelle mit erwachsenen Musikern sowie ehemaligen und aktuellen MGF-Schülern, zu Beginn der Andacht in der Turnhalle. Es gelte innezuhalten für eine dankbare Rückschau auf die Bildung junger Menschen und all den Segen, der von dieser Schule ausgegangen sei.

Kaum vorstellbar sei, dass auf den Trümmern eines Landes, das einen Weltkrieg entfesselt und im Juni 1940 Frankreich militärisch überfallen hatte, in Furth und an weiteren Standorten eine in Frankreich entstandene und dort tief verwurzelte Gemeinschaft das Wagnis einer neuen Schulgründung eingegangen sei, so Bischof Rudolf. Sein Vater, Jahrgang 1918, geriet 1944 in französische Kriegsgefangenschaft und wurde erst 1947 entlassen. Wenn er daran denke, sei er von den Signalen dieser Gründung, dem Friedensangebot und dem großen Versöhnungspotenzial tief bewegt.

Papst Leo XIV., der im laizistischen Frankreich so begeistert empfangen worden sei, habe vom christlichen Erbe und der Bildungstradition gesprochen, die vor allem den Ordensgemeinschaften zu verdanken sei. Zentren der Wissenschaft und Bildung seien zahlreiche Benediktinerklöster und Jesuitenkollegien gewesen, aber auch Einrichtungen wie jene der Ursulinen und Zisterzienserinnen in Landshut, die sich der Mädchenbildung widmeten. Lange bevor der Staat Verantwortung für die Bildung übernahm, habe das Christentum hier gewirkt. Die Maristen gehörten zu den vielen im 19. Jahrhundert gegründeten Kongregationen, die sich mit viel Opferbereitschaft und Leidenschaft der Bildung der weniger wohlhabenden Schichten angenommen hätten.

„Wo Gott die Ehre gegeben wird, kommt auch der Mensch nicht zu kurz. Aus dem Kultus, dem Gottesdienst, erwächst die Pflege des Guten, des Wahren und des Schönen“, betonte Bischof Dr. Voderholzer. Nach wie vor stehe die Kirche zu ihrem Bildungsauftrag. Die aktuellen gewalttätigen Ausschreitungen in Frankreich seien nach Einschätzung des Regensburger Oberhirten auch durch Proteste gegen die Mängel und die Vernachlässigung der Schulen und des Bildungswesens ausgelöst worden. In Furth gebe es jedenfalls keinen Grund zu Krawallen. Hier stünden Freude, Singen, Spielen und Beten im Mittelpunkt. Mit einem herzlichen „Vergelt’s Gott“ dankte Bischof Rudolf allen Lehrkräften, dem Leitungsteam, dem Elternbeirat, den Freunden und Förderern der Schule sowie dem Landkreis, dem bayerischen Staat und der öffentlichen Hand für die große Unterstützung.

Maristen in aller Welt

Der dankbare Blick zurück lasse auch zuversichtlich in die Zukunft sehen. Die internationale Vernetzung der Maristen in Neuseeland, in der früheren französischen Kolonie Madagaskar, in Europa und weltweit berge ein großes Potenzial für die Schulfamilie. Bischof Rudolf unterstrich den Wert der Klassenfahrten nach L’Hermitage zur Vertiefung der deutsch-französischen Freundschaft auf den Spuren des Ordensgründers.

Bischof Rudolf, der zugleich Präses des Stiftungsrats der Schulstiftung der Diözese Regensburg ist, äußerte sich auch zu den Herausforderungen durch die Künstliche Intelligenz. Ohne deren Möglichkeiten grundsätzlich infrage zu stellen, mahnte er dazu, die natürlichen Fähigkeiten des Menschen nicht zu vernachlässigen. Dazu gehörten die Förderung individueller Begabungen, die Entwicklung von Empathie sowie die Herzens- und Gewissensbildung. Ebenso wichtig seien gemeinsame Erfahrungen beim Spielen, Lernen und Ministrieren. Die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz gelte es sinnvoll zu nutzen, zugleich müsse man kritisch darauf achten, dass der Mensch nicht in Abhängigkeit von dieser Technologie gerate. Auch ohne Handy könne man seinen Alltag bewältigen. Ebenso schade es nicht, weiterhin im Kopf zu rechnen oder ein Gedicht beziehungsweise ein Gebet auswendig zu lernen.

Besonders gefreut habe sich Bischof Dr. Voderholzer über das von Chor und Orchester vorgetragene Gebet Dietrich Bonhoeffers „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Die darin zum Ausdruck kommende Gewissheit, von Gott getragen zu sein, wünschte er auch der gesamten Schulfamilie und spendete ihr zum Abschluss seinen bischöflichen Segen. Pfarrer Martin Popp, Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler gestalteten die Andacht neben den musikalischen Beiträgen mit aussagekräftigen Texten.

Auswirkungen von KI

OStD Günter Jehl, Schulstiftungsdirektor der Diözese Regensburg, hatte neben dem 80. Geburtstag der Schule, deren Gründung als Oberrealschule im Jahr 1946 erfolgte, noch mehrere Anlässe für eine Feier gefunden. 1965 erfolgte die offizielle Namensgebung „Maristen-Gymnasium“, 1976 die staatliche Anerkennung. Im August 2006, vor 20 Jahren, übernahm die Schulstiftung die Trägerschaft des MGF.

Günter Jehl dankte allen, die über Jahrzehnte zur Entwicklung der Schule zu einem modernen Gymnasium beigetragen hatten. Besonderen Dank sagte er den Eltern und Schülern für die kreative Mitgestaltung. Alle Herausforderungen, die in Staat, Kirche und Gesellschaft erlebt würden, seien auch in der Schule neben dem „normalen“ Unterricht präsent. Wissensvermittlung, Bildung und Erziehung seien von jeher die Aufgaben der Schule, aber die Begriffe hätten sich verändert, so Günter Jehl.

Auch Schulstiftungsdirektor Günter Jehl griff das Thema Künstliche Intelligenz auf. Für ihn stellte sich vor allem die Frage, wie sich die Schule angesichts der technologischen Entwicklung künftig verändern werde. Dabei erinnerte er sich an sein eigenes Abitur vor 40 Jahren und den damals mit Stolz erworbenen Commodore C64 mit 64 KB Arbeitsspeicher. Bei den anwesenden jungen Besitzern von Smartphones mit 128 GB Speicher glaubte er angesichts dieses Vergleichs einen Hauch von Mitleid zu spüren. Damit veranschaulichte Jehl, wie grundlegend Computer und Internet Schule und Gesellschaft in den vergangenen Jahrzehnten verändert hatten.

Darüber hinaus sah Jehl weitere Herausforderungen hinsichtlich der Motivation, der Prüfungsformate und der schulischen Traditionen auf die Schulen zukommen und zitierte aus der Enzyklika „Magnifica Humanitas“ von Papst Leo XIV.: „Die von Gott geschaffene grossartige Menschheit steht heute vor einer entscheidenden Wahl: Entweder sie errichtet einen neuen Turm zu Babel oder sie erbaut die Stadt, in der Gott und die Menschheit gemeinsam wohnen.“

Günter Jehl zeigte sich überzeugt, dass gerade katholische Schulen hier in Zukunft eine mitentscheidende Rolle zu spielen hätten.

In seinem Grußwort gedachte Brother PJ McGowan der Maristenbrüder und aller Lehrkräfte, die das Fundament für die hervorragende Schule gelegt hatten. Ebenso würdigte er die aktuelle Schulleitung und das Maristen-Team für die Umsetzung der pädagogischen Philosophie von Marcellin Champagnat.

Hoher Stellenwert des MGF

Thomas Kindsmüller, Zweiter Bürgermeister der Gemeinde Furth, betonte die große Bedeutung des Maristen-Gymnasiums für die Kommune und würdigte das stabile christliche Wertefundament. Er erinnerte an die drohende Schulschließung im Jahr 1988 und den gemeinsamen großen Kraftakt von Lehrern, Schülern, Eltern, Gemeindebürgern, Förderverein, Landkreis und Bürgermeistern, der den Fortbestand der Schule und ihre bekannte Erfolgsgeschichte sicherte.

Einen detaillierten und lebhaften Einblick in 80 Jahre maristische Geschichte und Pädagogik am Maristen-Gymnasium gewährten die Lehrkräfte Maria Rauscher, Assistant Director of Marist Education, und Eva Alfranseder, Leiterin des MGF-Maristen-Teams, gemeinsam mit den Q13-Schülerinnen Hanna und Franziska.

Mit ihrer großartigen Darstellung und ihrem eindrucksvollen Bekenntnis zu ihrer Schule, zur Wertevermittlung und zum maristischen Geist hinterließen die Schülersprecher Severin Sollfrank und Helena Kuba bei allen Festgästen einen tiefen und nachhaltigen Eindruck.

Text und Fotos: Agnes Wimmer
(SG/chb)



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