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Durch das Kirchenjahr

Wir brauchen Gottes Geist

  • 23.
    Mai
    2021
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„Komm herab, o Heilger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt.

Komm, der alle Armen liebt, komm, der gute Gaben gibt, komm, der jedes Herz erhellt.

Höchster Tröster in der Zeit, Gast, der Herz und Sinn erfreut, köstlich Labsal in der Not.

In der Unrast schenkst du Ruh, hauchst in Hitze Kühlung zu, spendest Trost in Leid und Tod.

Komm, o du glückselig Licht, fülle Herz und Angesicht, dring bis auf der Seele Grund.

Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehn, kann nichts heil sein noch gesund.

Was befleckt ist, wasche rein, Dürrem gieße Leben ein, heile du, wo Krankheit quält.

Wärme du, was kalt und hart, löse, was in sich erstarrt, lenke, was den Weg verfehlt.

Gib dem Volk, das dir vertraut, das auf deine Hilfe baut, deine Gaben zum Geleit.

Lass es in der Zeit bestehn, deines Heils Vollendung sehn und der Freuden Ewigkeit.“

 – Pfingstsequenz

 

Die „Sequenz“ ist ein liturgischer Gesang, der direkt an das „Halleluja“ vor dem Evangelium anschließt. Ein solcher Gesang hat sich mit „Singt das Lob dem Osterlamme“ am Ostersonntag erhalten, mit „Deinem Heiland, deinem Lehrer“ an Fronleichnam – und eben mit „Komm herab, o Heilger Geist“ am Pfingstsonntag. Dieser Text bittet intensiv um den Heiligen Geist, ersehnt sein Kommen in diese Welt, die den Geist Gottes dringend braucht: „Ohne dein lebendig Wehn kann im Menschen nichts bestehen“, heißt es in der Sequenz.

 

Vertrauen auf Gottes Geist, der die finstre Nacht zerreißt

Der Text weist immer wieder auf Situationen hin, in denen der Mensch dringend den Geist Gottes braucht: Dann, wenn um uns finstre Nacht ist, wenn wir unruhig sind oder das Gemüt erhitzt ist. Unser Leben ist manchmal befleckt und manchmal dürr, krank, kalt oder hart. Wir sind erstarrt und verfehlen den Weg. Kurzum: Es ist bisweilen schwierig, in der Zeit zu bestehen, überhaupt als Mensch, aber auch als Christ. Jeder Christ ist in der Nachfolge Jesu dazu gerufen, in seinem Sinne zu leben und in seinem Sinne Zeugnis für das Evangelium abzulegen – in Wort und Tat. Und jeder weiß, dass das mal besser gelingt, mal weniger gut.

Wie oft gibt es in unserem Leben Augenblicke, in denen wir neue Kraft brauchen – weil irgendetwas schiefgelaufen ist, weil etwas uns bedrückt, weil die Kraft auszugehen droht. In allen diesen Situationen darf die Kirche zum Geist Gottes rufen, über den Jesus Christus gesagt hat: „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in der ganzen Wahrheit leiten.“ (Joh 16,13) Die ganze Kirche, aber auch jeder Einzelne, ist immer wieder auf diesen Geist der Wahrheit angewiesen; auf den Geist, der dürrer Rede über das Evangelium neues Leben einhaucht. Angewiesen auf den Geist, der uns nach einem Irrweg zurückführt auf den wahren, den richtigen Weg.

Die Pfingstsequenz beschreibt eindringlich die Hoffnung des Gottesvolkes auf den Heiligen Geist, den versprochenen Beistand. Dieses Volk weiß darum, dass all sein Wirken nur Stückwerk bleiben kann, wenn nicht Gott selbst Vollendung schenkt. Es weiß, dass menschliches Wirken zum Scheitern verurteilt ist. Dieses Volk weiß aber auch, dass es immer auf den Heiligen Geist vertrauen kann, der die finstre Nacht zerreißt und Licht in diese Welt strahlt. Auf diesen Geist dürfen wir heute so sehr vertrauen wie die in Jerusalem versammelte Gemeinde vor beinahe zweitausend Jahren.