News Bild Osterbräuche im Bistum Regensburg: "Die Heilige Stiege in Windberg"

Osterbräuche im Bistum Regensburg: "Die Heilige Stiege in Windberg"

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Früher spielte die Passionsfrömmigkeit in der Karwoche eine wichtige Rolle. Bereits um das Jahr 400 n.Chr. versammelten sich in Jerusalem die Gläubigen am Ölberg, um der Todesangst Christi zu gedenken. Im Mittelalter kamen Ölbergandachten und Ölbergspiele auf. Eine besondere Form der Passionsfrömmigkeit war mit der „Heiligen Stiege“ verbunden.

Noch heute kommen unzählige Pilger zur Scala Santa, zur Heiligen Treppe nach Rom. Als Jesus in Jerusalem zu seinem römischen Richter Pontius Pilatus geführt wurde, soll er über diese Treppe gegangen sein. Die heilige Helena ließ der Legende nach die Treppe aus dem Jerusalemer Palast des römischen Stadthalters im 4. Jahrhundert nach Rom bringen. Noch heute zählt die Heilige Treppe zu den größten römischen Reliquien. Seit Jahrhunderten werden die 28 Stufen von den Gläubigen auf Knien erklommen. Die ursprünglich freistehende Zugangstreppe zum Lateran wurde Ende des 16. Jahrhunderts überbaut. Später erhielten die Marmorstufen eine Holzverkleidung, um sie vor Abnutzung zu schützen. An der zweiten, elften und achtundzwanzigsten Stufe ließ man kleine Sichtfenster offen, die den Blick auf angebliche Blutspuren Christi freigeben.

Vor allem in der Barockzeit entstanden zahlreiche Nachbildungen der Heiligen Treppe. Nur wenige sind bis heute erhalten, eine davon steht in Windberg im Landkreis Straubing-Bogen. Hier ließ ein Abt des dortigen Prämonstratenser-Klosters Anfang des 18. Jahrhunderts in der kleinen Heilig Kreuz Kirche auf einem Hügel außerhalb des Dorfes eine Heilige Stiege bauen. Schon beim Betreten der Kirche fällt ihre Besonderheit auf: Die Heilige Stiege ist nicht erbaut, um irgendwo hin zu führen. Sie steht für sich selbst – als Erinnerung an die Stufen, die Jesus zum Palast des Pontius Pilatus gehen musste. Und so gehen die Pilger erst in den unteren Teil der Kirche, um dann die 28 Treppen betend hinaufzusteigen. Stufe für Stufe bewegen sich die Gläubigen kniend nach oben, wie bei einem Kreuzweg werden dabei die einzelnen Stationen des Leidensweges Jesu betend betrachtet. Auf einem Gebetszettel, den das Kloster im Vorraum ausgelegt hat, finden die Kirchenbesucher für jede Stufe ein kurzes Gebet.

Aus den unterschiedlichsten Beweggründen kommen die Menschen zur Heiligen Stiege nach Windberg. Und auf zahlreichen Votivtafeln ist zu sehen, in welche Sorgen und Nöte den Pilgern hier geholfen wurde. Leicht zu übersehen ist eine kleine Öffnung in der Nähe der Heiligen Stiege, durch die man nur in gebückter Haltung kommt. Sie führt zum Heiligen Grab, das hier das ganze Jahr über aufgebaut ist. Damit sind in dem kleinen Kirchlein mit dem Heiligen Kreuz, der Heiligen Stiege und dem Heiligen Grab alle Szenen des Leidensweges verdeutlicht.