News Bild Nach der Priesterweihe ist vor der Priesterweihe: Berufungen fördern - Im Gespräch mit Gerhard Pöpperl

Nach der Priesterweihe ist vor der Priesterweihe: Berufungen fördern - Im Gespräch mit Gerhard Pöpperl

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Erst kürzlich gab es im Bistum Regensburg Anlass zur Freude: Drei junge Männer empfingen die Priesterweihe. Sie hatten im Laufe ihres Lebens den Ruf Gottes vernommen und dann auch Ja dazu gesagt. Als Priester möchten sie Gott und den Menschen dienen. So freudig diese neuen Berufungen sind, die Tatsache bleibt: Heute entscheiden sich weniger Menschen als früher, Priester zu werden oder als gottgeweihte Frau, als gottgeweihter Mann zu leben. Woran liegt das? Was können wir in den Pfarrgemeinden, Verbänden und anderen kirchlichen Gemeinschaften für die Berufungsförderung tun? Ein Gespräch mit dem Direktor der Diözesanstelle für Berufungspastoral, Gerhard Pöpperl. 


Herr Direktor Pöpperl, in diesem Jahr haben wir drei Neupriester. Vor nicht allzu langer Zeit lag die Zahl noch im zweistelligen Bereich. Ähnliche Entwicklungen kann man beim Ordensnachwuchs beobachten. Wie kann man sich diesen Rückgang erklären? Gibt es denn heute weniger Berufungen?

Ich denke nicht, dass Gott heute weniger Menschen in seinen Dienst ruft als früher. Die Menschen heute in unserem Land tun sich aber schwerer, diesen Ruf zu hören und ihnen fehlt wohl auch vielfach der Rückhalt in ihrem persönlichen Umfeld.

Wenn man von Rückgang bei den Weihezahlen spricht, sollte man unterscheiden zwischen natürlichen Schwankungen und einem allgemeinen Trend. Beides kann zusammen kommen und sich verstärken oder einander entgegenwirken. 2013 zum Beispiel wurden zwölf Neupriester geweiht. Dies war allerdings nicht Frucht eines allgemeinen Aufwärtstrends, sondern der Tatsache geschuldet, dass in diesem Jahr der erste Abschluss-Jahrgang des Studium Rudolphinum (3. Bildungsweg) die Zahl nach oben schnellen lies. Im Jahr darauf brach die Zahl ein auf zwei Neupriester, was auf die Einführung eines zusätzlichen, propädeutischen Jahres zurückzuführen war, das die Ausbildung insgesamt verlängert hat. So gab und gibt es natürliche Schwankungen.

Es gibt aber auch einen allgemeinen Trend zu rückläufigen Eintritts- und Weihezahlen. Ein Grund dafür ist sicher der Imageschaden, den die Kirche auf Grund der Missbrauchs- und Finanzskandale davongetragen hat. Auch haben junge Menschen immer seltener die Gelegenheit, Priester oder Ordensleute als intensive Lebensbegleiter zu erleben und immer weniger Einblick in ihren Alltag. Der Trend zur Ein-bis-zwei-Kind-Familie spielt sicher auch eine Rolle. Es fällt schwerer, die einzige Tochter ins Kloster gehen zu lassen, als wenn es eine von mehreren ist. Allgemein geht die Bereitschaft, sich dauerhaft zu binden und eine lebenslange Verpflichtung einzugehen, stark zurück. 


Verschiedene Strömungen außerhalb und auch innerhalb der Kirche argumentieren den Rückgang an Priesteramtsanwärtern mit der Verpflichtung zum Zölibat und der Nichtzulassung von Frauen zum Priesteramt. Was sagen Sie dazu?

Die Verpflichtung zum Zölibat und die Nichtzulassung von Frauen zum Priesteramt gilt weltweit in gleicher Weise. Demzufolge müsste es auch weltweit ein Rückgang von Priesteramtsanwärtern geben. Es ist aber kein weltweiter Trend. Unser Nachbarland Italien z.B. hat damit keine Probleme. Die Ursachen sind nach meinem Dafürhalten deshalb eher in unserer Gesellschaft zu finden, wie gerade erwähnt. 

Der Zölibat wird in erster Linie als Entscheidung GEGEN etwas missverstanden. Er ist aber die bewusste Entscheidung FÜR eine exklusive Beziehung mit Gott. Würde man die Ehe in erster Linie als Entscheidung GEGEN etwas auffassen, nach dem Motto: „Du darfst keine Frau mehr ansehen bis auf das geringste Übel, das du dir ausgesucht hast.“ Dann würde man auch sagen: „Wie kann man nur jemand zur Ehe zwingen?!“ Das geht aber am Wesen der Ehe vorbei. Die Ehe ist eine Entscheidung FÜR jemand, genauso auch die Weihe. Der Zölibat ist eine Hürde, ja, aber eine sinnvolle, so wie bei der Ehe die lebenslange Treue eine sinnvolle Hürde ist. 

Was die Forderung nach dem Frauenpriestertum angeht: Die Tatsache, dass zwar nach dem Recht verlangt wird, dass Frauen Priester werden dürfen, aber niemand fordert, dass Männer geweihte Jungfrauen werden können, zeigt, dass es dabei meist nicht um das Priester-Werden-Dürfen an sich geht, sondern um etwas anderes: mehr Rechte für Frauen in der Kirche. Das ist eine berechtigte Forderung. Sie aber an das Priesteramt zu knüpfen halte ich für den falschen Weg. Den Stand der geweihten Jungfrauen zu stärken oder den Ordensfrauen mehr Kompetenzen einzuräumen, sähe ich als einen gangbareren und zielführenderen Weg.


Sie sind der Leiter der Diözesanstelle Berufungspastoral. Mit welchen Angeboten helfen Sie jungen Menschen, ihre Berufung zu finden?

Vor allem durch persönliche Begegnung, Beratung und die Förderung jungendgerechten Gebets. Berufung ist ein Geschehen zwischen Gott und einem Menschen. Deshalb versuchen wir gerade für junge Menschen „Orte“ zu schaffen, an denen diese Begegnung geschehen kann, bzw. dort präsent zu sein, wo diese Orte bereits bestehen. Wir sind auf Jugendwallfahrten und Ministrantentagen unterwegs, halten Jugendgebete und Gottesdienste, fahren in Dekanate und Pfarreien. Allein das Thema Berufung ins Bewusstsein der Menschen zu holen ist schon etwas sehr wichtiges. Wir beraten natürlich auch bei ganz konkreten Fragen zu kirchlichen Berufen und Berufungen, u.a. auch in Schulen oder auf Berufsinformationsmessen.  


Was kann die Kirche vor Ort, was können Pfarrgemeinden, Verbände, Gemeinschaften und einzelne Christen tun, dass junge Menschen ihre Berufung als Priester oder Ordenschrist entdecken und ergreifen?
 

Den Glauben in überzeugender Weise leben. Dort wo junge Menschen erfahren, dass der Glaube Freude macht, Kraft gibt, Orientierung und Heimat bietet und ganz selbstverständlich zum Leben dazugehört, ist ein guter Nährboden für Berufungen gelegt. Dann wächst die Sehnsucht nach einem Leben mit Gott. Auch das Gebet um Berufung trägt dazu wesentlich bei, gerade wenn es nicht abseits geschieht, sondern ein echtes Anliegen der Gemeinde ist.  Achtung und Wertschätzung der verschiedenen Berufungen ist wichtig. Manchmal ist auch der ernst gemeinte Hinweis: „Ich fänd, du würdest  einen guten Priester abgeben!“ eine wichtige Entscheidungshilfe.

Wie wichtig ist das Vorbild von Priestern und Ordenschristen?

Überaus wichtig. Heute noch mehr als früher. Je seltener man in Kontakt kommt mit Priestern und Ordensleuten, um so einprägsamer ist die Begegnung mit ihnen. An ihnen kann man sehen, was es bedeutet, Berufung zu leben. Es wäre wichtig, dass sich Priester und Ordenschristen trotz der vielen Aufgaben Zeit nehmen für junge Menschen und sie wirklich begleiten, so dass man auch einen Einblick in ihr Leben gewinnen kann. Schlimm wäre es, wenn man nur noch gestressten oder weltfernen Priestern und Ordensleuten begegnet. Letztlich entscheidend für eine Berufung aber bleibt die Sehnsucht, mit Gott leben zu wollen. Sie bei anderen zu sehen, kann die eigene Sehnsucht anfachen. Gott kann sie uns aber auch dann ins Herz pflanzen, wenn die äußeren Umstände es nicht begünstigen.