News Bild Familie stellt die Krippe in St. Emmeram auf: "Wir wollen das positive Erlebnis an unsere Kinder weitergeben"

Familie stellt die Krippe in St. Emmeram auf: "Wir wollen das positive Erlebnis an unsere Kinder weitergeben"

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Am Samstagvormittag ist die vierköpfige Familie im Einsatz. Johannes Buhl und Evi Lautenschlager stellen in der Jahreskrippe der Basilika St. Emmeram die Flucht nach Ägypten auf. Ihre kleinen Kinder Magdalena und Jakob sitzen dabei und betrachten die wertvollen Figuren, während die Mutter die Bekleidung der Maria auf dem Eselchen zurechtzupft.

„Nur wenn wir die Krippe als Familie stellen, hat dieses Hobby wirklich Sinn für uns“, sagt die Mutter über die besondere Beschäftigung der Familie am Wochenende: „Nicht nur, weil wir sonst jedes Mal einen Babysitter organisieren müssten, sondern vor allem auch, weil wir das Krippenbauen als positives Erlebnis an unsere Kinder weitergeben wollen.“ Am Montag wirkt Evi Lautenschlager dann wieder als Ärztin in einer Regensburger Klinik. Gut acht Mal in einem Jahr bauen Eltern und Kinder um. Hohe Zeiten sind natürlich die Weihnachtszeit, die Fastenzeit vor Ostern und die Osterzeit.

 

Die Hände an den Menschenfiguren sind beansprucht

 

Evi Lautenschlager fragt Magdalena und Jakob immer mal wieder, ob es ihnen so oder so besser gefällt, wie das Eselchen auf der Brücke steht. Die Kinder recken die Köpfchen; Jakob hat es im Übrigen der Elefant recht angetan, den die Mutter gerade aus dem schwarz lackierten Kasten nimmt, um die vorherige Szene abzuräumen. Der Kasten bildet den Rahmen der Jahreskrippe. „Der Elefant hat einen lockeren Schwanz“, sagt die Krippenbauerin mit Kennerblick. Sie weiß, dass die Hände an den Menschenfiguren eine besonders beanspruchte Stelle sind. Auf sie gilt es vor allem Acht zu haben. Und strapaziert vom häufigen Einsatz ist vor allem Maria. Es ist die Maria, die in Kürze in der St. Emmeramer Jahreskrippe mitsamt Josef und Jesuskind über die antik-römisch anmutende Quaderstein-Brücke reiten wird.

 

Im Umland Moos für die Krippe daheim sammeln

Schon hat Johannes Buhl, von der Rückseite der Krippe kommend, die Brücke aufgesetzt, über die die Familie mit dem Jesuskind flüchtet. Der Latein-, Griechisch- und Musiklehrer am Albrecht-Altdorfer-Gymnasium Regensburg hat das Aufstellen ab 1994, damals im Alter von 12 Jahren, von seinem Großvater Hans Buhl gelernt. Auch Evi sind Krippen überhaupt nicht fremd. Während sie das Trageeselchen hin und her schiebt, erzählt sie, wie sie früher mit ihrer Familie im Umland von Regensburg loszog, um Moos für die Krippe daheim zu sammeln. Evi Lautenschlager kommt aus Zeitlarn. Seit 2008 stellen sie und ihr Mann Johannes Buhl nun gemeinsam in St. Emmeram auf. Seither ist bald ein Jahrzehnt vergangen. Jetzt kommen sie jeweils mit ihren kleinen Kindern an.

 

ZDF-Gottesdienst 2014 aus der Basilika übertragen

Es trägt sich dann zu wie folgt: Zusammen suchen sie die Figuren auf dem Speicher oberhalb der Wendeltreppe für die neue Szene zusammen (Jakob fordert diesmal wieder das Schiff, auch wenn sein Vater erklärt, dass dieses wohl erst in der Fastenzeit kommt). Und dann bearbeiten sie die kleine Bühne von der Rück- wie auch von der Vorderseite her; Johannes Buhl von der Wendeltreppe her, die Mutter mit Blick auf die kleine Szene, die ja immerhin wirklich weltgeschichtliche Ereignisse präsentiert. Die Emmeramer Jahreskrippe ist auf den Sockel der vormaligen Wendeltreppe aufgesetzt, die zur Empore führt. Der Kasten gerät schnell in den Blick derjenigen, die die Basilika durch das Eingangsportal betreten. Er wurde eigens neu gestrichen, als der ZDF-Gottesdienst im November 2014 aus der Basilika übertragen wurde.

 

Wolfgang betritt die Krippenbühne von St. Emmeram

Vor allem ist die Emmeramer Jahreskrippe ein Spiegelbild der Frohen Botschaft, wie sie das Christentum verkündet. Frohbotschaft und Krippe drängen sich nicht auf. Aber sie sind da. Sie sind für den Menschen angemessen und sie sind geeignet, ihn anzusprechen. Deshalb führt die Krippe vor Augen, worum es eigentlich geht, und wenige Figuren drücken alles aus. Die anderen Bestandteile helfen, die Frohe Botschaft in der Wirklichkeit zu zeigen. Details führen vor Augen, dass das Evangelium aktuell ist. Der Fachbegriff der Krippenaufsteller für die einzelnen Ausstattungsstücke ist „Finimenti“. Diese Requisiten verankern die Szene schließlich in unserer Wirklichkeit. Sie vollenden sie, woher auch das Wort „finimento“ (Schluss) abgeleitet sein mag. Die Verortung der Heilsgeschichte in den Details der Zeit geschieht dann ganz prominent, wenn in der Sommerszeit, nach Pfingsten aufgestellt, etwa der heilige Wolfgang die kleine Krippenbühne von St. Emmeram betritt.

 

Für den Tempel bringen wir die große Besetzung

Doch zurück zur Flucht nach Ägypten, die die Familie nun an diesem Samstag aufstellt. Dabei sind wenige Details gefragt. Denn das Wenige und Überschaubare soll den Gesamteindruck vom Unterwegssein unterstützen. Die Darstellung des Heilands im Tempel wird jedes zweite Jahr ab Ende Januar kurz vor Lichtmess gezeigt. Das wird im Januar 2019 wieder der Fall sein. „Für den Tempel bringen wir dann die große Besetzung“, sagt Johannes Buhl, der sich aufgrund seiner klassischen Bildung sehr gut in der Welt der Antike auskennt. Er behält die Übersetzung der antiken Kultur in die Krippenbilder im Blick.
Dabei ist die Emmeramer Jahreskrippe selbst längst Teil der Geschichte geworden. Die erste Erwähnung einer Krippe dort stammt aus dem Jahr 1826. Seither sind somit bald 200 Jahre vergangen. Ein Teil der Figuren der heutigen Krippe geht auf eine Schenkung des Rentners L. Baumann zurück, der sie der Pfarrei 1911 vermachte. Sie sind eine Mischung aus verschiedenen Beständen, wobei Figuren der Münchner Tradition des 19. Jahrhunderts einen Schwerpunkt bilden. Womöglich liegt der Ursprung anderer Teile in der Barockzeit, mutmaßt Johannes Buhl.

Auch sein Vater Johannes Buhl senior hat die Krippe gepflegt, vor ihm dessen Vater Hans, davor wiederum der Regensburger August Gleißner. 1937 belebte Gleißner die Tradition der Emmeramer Krippe, die ein wenig eingeschlafen war. Er war es auch, der den südlichen Emporenaufgang als geeigneten Aufstellungsplatz fand. Und auf Gleißner gehen viele noch heute verwendete Gebäude- und Kulissenteile zurück. Nach Gleißners Tod übernahm 1955 Hans Buhl, der Großvater, dem vor langer Zeit auch einmal der engagierte Schwandorfer Krippenaufsteller Raimund Pöllmann geholfen hat, der in diesen Tagen die „Darstellung“ in der Krippe der Karmelitenkirche St. Josef aufstellt.

 

Energiefreundliche Nachfolgemodelle

Gymnasiallehrer Buhl und Evi Lautenschlager sind also, was Familie Buhl betrifft, die dritte Generation. Wie sich die Zeiten ändern! Auf einem Teil der Empore, oberhalb der Krippe selbst, lagern Leuchtmittel in einem Karton. Unter ihnen finden sich noch die alten Glühbirnen, die aber nicht mehr zum Einsatz kommen. Zwar verstrahlen die energiefreundlichen Nachfolgemodelle, wie Frau Lautenschlager erklärt, ein weniger warmes Licht. Doch halten sie viel länger. Die kurze, aber häufig per Knopfdruck am Kasten angeforderte Brenndauer führte einst zu hohem Verschleiß, was die Glühwendel-Brenner betrifft.

Am Ende des Umbaus heute ist nun auch die Beleuchtung oberhalb der flüchtenden Familie mit Esel auf der Brücke in die passende Position gerückt. Letzte prüfende Blicke von Frau Lautenschlager. Auch Herr Buhl ist mit dem Ergebnis zufrieden. Die Aufräumarbeiten sind rasch durchgeführt. In der Kirche laufen gerade letzte Vorbereitungen für einen Requiemgottesdienst. Familie Buhl-Lautenschlager verlässt zu viert die Basilika. Spätestens kurz vor dem ersten Fastensonntag wird sie wiederkommen, um dann gemeinsam die Geschichte der Krippe weiterzuschreiben: unaufdringlich, angemessen und aktuell, wie es das Evangelium selbst ist.