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Anna Linz spricht im Interview über ihre Konversion

Warum eine junge Frau katholisch wird

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Regensburg, 9. Juni 2022

Seit 2 Wochen ist Anna Linz frisch gebackene Katholikin. Aufgewachsen ist die 27-jährige Sprecherzieherin in einer Freikirche. Die Entscheidung, zur katholischen Kirche zu konvertieren, hat sie sich nicht leicht gemacht. Aber irgendwann sprach einfach nichts mehr dagegen. An Pfingsten wurde Anna nun von Bischof Rudolf im Regensburger Dom gefirmt.

Der christliche Glaube wurde Ihnen sozusagen in die Wiege gelegt. Wie erlebten Sie Ihre Kindheit und Jugend in der Freikirche?

Ich bin in einer sehr gläubigen Familie aufgewachsen. Für uns war Glaube was ganz Selbstverständliches und Natürliches. In den Freikirchen wird der Glaube sehr kindgerecht vermittelt. Ich blödle immer rum und sage, alle Geschichten aus der Bibel, die ich nicht aus Pappmasche gebastelt habe, die habe ich wahrscheinlich irgendwann mal als Theaterstück aufgeführt. Für alles, was ich dort mitbekommen habe, für dieses sehr natürliche und persönliche Gottesverhältnis, das in den Freikirchen tendenziell mehr da ist, bin ich sehr dankbar. Das habe ich einfach und das verliere ich auch hoffentlich nie.

Sie haben dann trotz positiver Erfahrungen irgendwann der Gemeinde Lebewohl gesagt. Warum dieser Schritt?

Ich habe mit 17/18 gemerkt, irgendwas fehlt mir, oder irgendwie passt es für mich nicht. Man geht in Freikirche A und da wird A gesagt und man geht in Freikirche B und da wird B gesagt. Die Glaubenslehre ist stark davon abhängig, wer der Gemeinde gerade vorsteht. Das war ein Punkt und der andere Punkt war, dass ich oft gedacht habe, mir fehlt die Ehrerbietung für Glauben und für Gottesdienst.

Haben Sie in dieser Zeit auch grundsätzlich daran gezweifelt, dass es Gott überhaupt gibt?

Ich hatte in mir immer diese Grundüberzeugung, dass das Leben geführt ist. Nachdem ich ausgetreten bin, war schon eine Lücke da, aber Zweifel an Gott im eigentlichen Sinne gab es nie. Ich habe mich aber auch nicht damit auseinandergesetzt, warum mir was fehlt oder wo diese Überzeugung herkommt, dass alles schon gut werden wird. Mit 19, als Student in einer neuen Stadt, stehen solche Fragen eher hinten an. Ich glaube, es gibt Leute, die, wenn es ihnen schlecht geht, sich auf die Suche machen. Ich war aber nie an einem Punkt, wo ich gesagt habe, mir geht es so schlecht und ich weiß nicht wohin mit meinem Leben, ich muss mich jetzt auf die Suche machen. Der Anstoß dazu kam von außen über Freunde.

Wo haben Sie die Freunde kennengelernt?

Über die Musik witziger Weise. Einer davon ist jetzt auch mein Pate. Rauszufinden, dass es da doch Leute gibt, die den katholischen Glauben wirklich leben und in ihrem Herzen tragen und das auch ausstrahlen, war ein entscheidender Impuls. Zu sehen, dass die den Glauben leben mit einer unglaublich tiefgehenden Lehre, die jeder Metaebenendiskussion standhält, kombiniert mit unglaublich würdevoll gefeierten Messen. Ich meine, feiern können die Katholiken, das wusste ich schon, als ich noch in der Freikirche war. Mittlerweile schätze ich das und genieße es sehr. Dann bin ich irgendwann auch mal über „RUACH Regensburg“ gestolpert, das war auch schön zu erleben, dass so etwas eher Charismatisches in der Kirche auch seinen Platz hat.

Sie meinten bereits, dass Sie kaum Katholiken kannten, für die der Glaube auch persönlich relevant war. Wie war Ihr Blick „von außen“ auf die katholische Kirche?

Ich dachte, dass es sehr formalistisch ist und oberflächlich. Wenn man sich nicht tiefer mit dem Sinn von Lehre, Regeln und allem, was die Kirche sagt, auseinandersetzt, dann kann es von außen sehr beschränkend wirken. Obwohl das ja eigentlich gerade nicht der Fall ist. Dann ist es auch einfach so, dass der durchschnittliche Katholik, der einem über den Weg läuft, jemand, der in die Kirche hineingeboren ist und sich nie wirklich damit auseinandergesetzt hat. Ich kannte aus der Freikirche einen total überzeugten Glauben und eine Auseinandersetzung damit und das habe ich bei Katholiken in meinem Umfeld nie erlebt. Das war so ein bisschen das Bild von Katholiken, das ich hatte.

Das hat sich inzwischen geändert. Wo haben Sie mehr von Kirche und Lehre erfahren?

Ich war im Firmkurs für Erwachsene im Bistum Regensburg. Dann habe ich aber gemerkt, ich brauche irgendwie noch mehr. Auch weil ich so ein Kopfmensch bin. Ich habe dann einfach einen Priester kontaktiert und gefragt, ob der mich begleiten würde. Er macht mit mir jetzt vor allem Katechese. Das heißt, wir gehen Glaubensfragen durch und lesen zusammen in der Bibel und sprechen darüber, was das heißt und das tut sehr gut. Was auch sehr schön war als Vorbereitung auf die Konversion, waren ignatianische Schweigeexerzitien. Würde ich sofort wieder machen.

Gab es für Sie einen entscheidenden Moment, wo Sie spürten – die katholische Kirche, das ist es jetzt?

Es gibt diese Leute, die gehen rein und für die macht es „Bähm“ und die haben eine Erfahrung. Ich freue mich da wirklich für sie und ich kenne auch solche Leute bei denen es so war. Bei mir war das nicht so. Ich bin aus Gottesdiensten raus gegangen und habe mir gedacht: Was für ein Quatsch! Warum ist mein Sonntagmorgen jetzt schon irgendwie weg. Aber ich bin dann doch drangeblieben und je mehr ich mich damit auseinandergesetzt habe, desto mehr kam das Bewusstsein: Okay da ist was dahinter. Ich glaube dadurch, dass die Lehre so tief ist, kann man sie auch auf einer kognitiven Ebene sehr gut begreifen und auf diesem Weg Stück für Stück die Schönheit von Liturgie und Kirche entdecken. Trotzdem ist es bei mir bis heute nicht so, dass ich jedes Mal sonntags im Gottesdienst sitze und mir denke, war das schön oder das hat jetzt meiner Seele richtig gutgetan, sondern das ist immer noch ein Weg. Auch die Entscheidung, mich Firmen zu lassen, war in Teilen sehr kopfgesteuert. Ich habe irgendwann zu mir selbst gesagt: Warum machst du es nicht? Und dann habe ich gemerkt, ich finde eigentlich nur Ausreden.

Die Glaubensinhalte der katholischen Kirche sind teilweise keine leichte Kost, wie sind Sie damit umgegangen?

Ich glaube grundsätzlich habe ich zwei Optionen. Ich habe Option Nummer eins: Ich sage, ich glaube an die Kirche und möchte Teil der Kirche sein und dann muss ich auch akzeptieren, dass die Kirche mir manchmal Sachen vor die Nase wirft, mit denen ich mich nicht ganz wohl fühle. Oder Option Nummer zwei, ich glaub nicht dran und dann kann ich mir auch eine andere christliche Glaubensgemeinschaft suchen. Ich bin selbst auch noch auf dem Weg. Ich weiß aber, wenn sich in mir was aufbäumt, muss das nicht heißen, dass es falsch ist, sondern das kann auch einfach nur heißen, dass ich in einer Welt, die mir viel Input gibt, die dem widerspricht, so beeinflusst bin, dass es für mich manchmal schwierig ist, bestimmte Dinge anzunehmen. Auch das Gefühl, dass mir die Kirche etwas wegnimmt, ist eigentlich Quatsch, weil es ja eben nicht ein Wegnehmen ist, sondern ein „Ich gebe dir was an die Hand, um dich zu schützen, um dir zu helfen.“

Zu guter Letzt – wie läuft eine Konversionsfeier ab?

Es ist eigentlich relativ unspektakulär. Die Aufnahme findet während einer ganz normalen Messe nach der Predigt statt. Man wird aufgerufen und gefragt, ob man sich das gut überlegt hat, ob es die eigene freie Entscheidung ist, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Danach kommt man nach vorne und spricht gemeinsam mit der Gemeinde das Glaubensbekenntnis. In meinem Fall folgte dann auch direkt die Erstkommunion.

Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute weiterhin!

 

Fotos: Philipp B. N. Artmann

Interview: Jacinta Fink