Bischof Dr. Rudolf Voderholzer

Altötting: 5.600 Pilger auf der 197. Regensburger Diözesanfußwallfahrt

„Sage mir, was dir heilig ist, und ich sage dir, wer du bist“


Altötting / Regensburg, 23. Mai 2026

Vier Tage lang waren rund 5.600 Pilgerinnen und Pilger aus dem Bistum Regensburg auf dem Weg nach Altötting. Sie nahmen an der 197. Regensburger Diözesanfußwallfahrt teil. 111 Kilometer liegen zwischen Regensburg und der Gnadenkapelle. Aber wer diese Wallfahrt kennt, weiß: Diese Zahl beschreibt nur die äußere Strecke. Was Menschen mit auf diesen Weg nehmen, lässt sich nicht in Kilometern ausdrücken.

Manche gehen aus Dankbarkeit, andere mit einer Sorge, die sie seit Wochen oder Monaten begleitet. Wieder andere suchen schlicht einen Ort, an dem der Glaube nicht nur ausgesprochen, sondern mit jedem Schritt körperlich erfahrbar wird. In diesem Jahr sind es 5.600, die mitgehen – eine Rekordwallfahrt nach Corona.

 

Vor der Gnadenkapelle empfing Bischof Rudolf Voderholzer die Pilgerinnen und Pilger. Anschließend feierte er mit ihnen die heilige Messe in der Basilika St. Anna. Für viele war dieser Moment der sichtbare Abschluss dessen, was unterwegs längst begonnen hatte: ankommen, danken, still werden, die Mühe der vergangenen Tage noch in den Knochen und zugleich die Freude darüber, das Ziel erreicht zu haben.

Genau darin liegt seit jeher die Kraft dieser Wallfahrt. Sie macht aus vielen Einzelnen für einige Tage eine Gemeinschaft. Nicht laut, nicht programmatisch, eher still und selbstverständlich. Man bricht früh auf, oft noch müde, betet, schweigt, kommt ins Gespräch, verliert es wieder, spürt die Füße und geht weiter. Es gibt Abschnitte, auf denen der Weg lang wird, und Augenblicke, in denen man ahnt, weshalb Menschen sich diese Mühe Jahr für Jahr zumuten.

Auffallend war auch in diesem Jahr die große Zahl junger Teilnehmer. Neben vielen, die diese Wallfahrt seit Jahren kennen, gingen auch neue Gruppen aus dem Bistum mit. Dazu gehörten 54 Schülerinnen der Dr.-Johanna-Decker-Schule in Amberg und 18 Schüler der Wirtschaftsschule Amberg. So bekam die alte Wallfahrt ein junges Gesicht. Man sah: Sie lebt nicht nur von ihrer Geschichte. Sie lebt davon, dass Menschen sie immer wieder neu aufnehmen.

 

Bischof Rudolf vom Auftakt bis zum Abschluss als Pilger dabei

Bischof Rudolf eröffnete die Wallfahrt am Donnerstagmorgen persönlich in Regensburg und spendete den Segen zur Aussendung. Danach ging er die erste Etappe bis Obertraubling mit. Auch auf der letzten Strecke von Wald nach Altötting war er wieder dabei. Um drei Uhr in der Früh reihte er sich in den Pilgerzug ein, betete und sang mit den Gläubigen. Seine Verbundenheit mit den Menschen der Diözese zeigte sich hier nicht in einer großen Geste, sondern in etwas Schlichterem: im Mitgehen.

Ein neues Zeichen begleitete die Wallfahrt ebenfalls. Das neu gestaltete Logo der Regensburger Diözesanfußwallfahrt wurde erstmals in dieser Form gezeigt und unter anderem auf einem Roll-up vorgestellt. Für die Pilger war das kein Bruch mit dem Gewohnten, sondern eher ein leiser Hinweis darauf, dass auch eine lange Tradition von Zeit zu Zeit ein neues Gesicht bekommen darf.

„Sein Name ist heilig!“

Das Leitwort der diesjährigen Wallfahrt lautete: „Sein Name ist heilig!“ Der Satz klingt einfach, aber er hat Gewicht. Er erinnert daran, dass Glaube mehr ist als Gewohnheit und mehr als ein überlieferter Brauch. Er hat mit Ehrfurcht zu tun, mit Vertrauen und mit der Frage, woran sich ein Mensch im Innersten bindet.

Zugleich begann mit dieser Wallfahrt der Blick auf ein großes Jubiläum. In drei Vorbereitungsjahren stimmt sich die Regensburger Diözesanfußwallfahrt auf das Jahr 2029 ein. Dann soll die 200. Wallfahrt gefeiert werden. Eine solche Zahl ist mehr als ein organisatorischer Meilenstein. Sie erinnert daran, wie tief diese Form des Betens, Gehens und Hoffens im Glaubensleben des Bistums verwurzelt ist.

Vier Kreuze begleiteten in diesem Jahr den Zug. Sie wurden an verschiedenen Orten gesegnet. In den kommenden Jahren soll ihre Zahl auf 14 wachsen. Damit erhält der Weg weitere feste Zeichen, die seinen geistlichen Charakter sichtbar machen.

Bischof Rudolf: „Sage mir, was dir heilig ist, und ich sage dir, wer du bist“

Zum Abschluss der Wallfahrt rief Bischof Rudolf die Pilgerinnen und Pilger dazu auf, den Sinn für das Heilige neu zu entdecken. Im Mittelpunkt seiner Predigt stand erneut das Leitwort: „Sein Name ist heilig!“ Es geht zurück auf das Magnifikat, den großen Lobgesang der Gottesmutter Maria: „Der Mächtige hat Großes an mir getan, und sein Name ist heilig.“

Der Regensburger Oberhirte erinnerte daran, dass dieses Wort die Wallfahrt wie ein roter Faden begleitet habe. Maria stimme ihr Danklied nicht aus bloßer Stimmung heraus an, sondern aus der tiefen Erfahrung, dass Gott an ihr gehandelt habe. Daraus erwachse auch für die Gläubigen eine Frage, die weit über den Moment der Wallfahrt hinausreiche: Was ist dem Menschen heute eigentlich noch heilig?

Bischof Rudolf führte diese Frage bewusst in den Alltag hinein. Viele Menschen würden auf Familie, Frieden oder Gesundheit verweisen. Das seien ohne Zweifel große Güter. Zugleich warnte er davor, das Herz am Ende nur an das Vorläufige und Vergängliche zu hängen. Mit feinem Humor griff er vertraute deutsche Alltagsbilder auf: Manchem sei der Mittagsschlaf heilig, anderen das Feierabendbier. Und mit Blick auf Auto und Fußball merkte er an, böse Zungen fragten, ob die größte Religionsgemeinschaft Deutschlands nicht der ADAC sei, dicht gefolgt vom DFB. Auch die Begeisterung im Stadion könne gelegentlich feierlicher wirken als mancher Gottesdienst.

Dabei ging es dem Diözesanbischof nicht um eine Abwertung solcher Leidenschaften. An Fußball, einem sicheren Auto und der Freude an den schönen Dingen des Lebens sei nichts auszusetzen. Im Gegenteil: Es sei besser, wenn Völker ihre Kräfte auf dem Fußballfeld messen als auf den Schlachtfeldern der Kriege. Entscheidend sei jedoch, dass das Vergängliche nicht den Platz einnehme, der Gott gebühre.

Besonders eindrücklich deutete Bischof Dr. Voderholzer die Wallfahrt als öffentliches Glaubenszeugnis. Wenn Pilger singend und betend durch Straßen und Ortschaften ziehen, werde sichtbar, dass der christliche Glaube nicht in die bloße Privatsphäre verbannt werden könne. Er schilderte, wie Menschen am Straßenrand den Wallfahrtszug mit Respekt, vielleicht auch mit Staunen wahrgenommen hätten. Gerade in einer Gesellschaft, in der viele suchten und fragten, sei eine solche Wallfahrt ein wichtiges Zeichen: Dem Menschen darf etwas heilig sein.

Der Regensburger den Pilgern ausdrücklich für dieses Zeugnis. Sie hätten gezeigt, dass ihnen Gott, der Glaube und die Kirche heilig seien. Damit widerspreche die Wallfahrt auch dem Eindruck, in westlichen Gesellschaften sei vieles beliebig geworden und kaum noch etwas größer als der eigene Nutzen.

Zum Schluss verwies Bischof Rudolf auf das Sanctus, das Dreimal-Heilig der Heiligen Messe. Es verbinde die Gemeinde mit dem Lobgesang der Engel und Heiligen vor dem lebendigen Gott. In der Abschlussmesse erklang dieses „Heilig“ in der Fassung von Franz Schubert. Bischof Rudolf äußerte den Wunsch, dass gerade dieses Gebet eine bleibende Frucht der Wallfahrt werde: Das Dreimal-Heilig solle künftig noch bewusster, inniger und dankbarer gesungen werden. Die Wallfahrt habe damit nicht nur einen Weg nach außen beschrieben, sondern auch einen inneren Weg: vom Nachdenken über das, was Menschen wichtig ist, hin zum Bekenntnis, dass Gottes Name heilig ist.

 

Dank an Helfer, Pilgerführer und alle Mitwirkenden

Am Ende des Gottesdienstes würdigte Pilgerpfarrer Hannes Lorenz Bischof Rudolf, der erneut ein Stück der Wallfahrt mitgegangen war und den Pilgern beim Abschlussgottesdienst ermutigende Worte mitgegeben hatte. Zugleich hob Lorenz die vielen ehrenamtlichen Helfer der Regensburger Diözesanfußwallfahrt hervor. Den Pilgern gab Lorenz mit, was von dieser Wallfahrt bleiben sollte: „Die Freude, die Kraft und die Zuversicht, die wir schöpfen durften im gemeinsamen Beten und Singen – die sollen wir jetzt alle nach Hause mitnehmen.“

Auch Pilgerführer Bernhard Meiler zeigte sich erleichtert. Man sei, wie er sagte, „im Herzen Bayerns gut angekommen“, ohne Unfälle oder größere Verletzungen. Nach vier Tagen auf der Straße war das für viele nicht nur eine gute organisatorische Nachricht, sondern auch ein Grund zur Freude.

Ausklang im Klostergarten

Nach dem Pontifikalamt kamen die Pilger im Klostergarten der Basilika zusammen. Es gab Brotzeit, Getränke und Blasmusik. Für gute Stimmung sorgte die Musikkapelle „Dießfurt“. Bischof Rudolf hatte dazu eingeladen und übernahm an diesem heißen Tag die Getränke für die Pilger. Nach den Tagen auf der Straße war dieses Treffen mehr als ein freundlicher Abschluss. Viele waren erschöpft, aber froh. Man sah vielen an, dass der Weg etwas gekostet hatte. 

Text und Fotos: Stefan Groß

(sig)



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